Gedanken zu Christin’s gelöschtem Toleranzbeitrag

Ich habe lange überlegt ob ich zu diesem Thema etwas schreiben sollte, und mich nun entschieden es als Einstieg in diesen Blog zu nutzen. Es ist auf jedenfall ein schweres Thema, jemand welcher sich so spät für diesen Weg „entscheidet“, hat natürlich mit diesem Makel zu leben, und muss sich dahingehend ein „dickes Fell“, sogenanntes Eisenfell, wie ein Druide in der World of Warcraft zulegen. Gleichzeitig gibt es niemandem das Recht sie zu beleidigen. Ich selbst muss aber zugeben dass ich als Personal beide eindeutig als Mann und Frau ansprechen würde, bei Korrektur/Erklärung durch die beiden wäre natürlich kein Akzeptanzproblem vorhanden, aber bei einem Schwimmbadbesuch als Gast den Bademeister/den Sicherheitsdienst benachrichtigen würde, falls ich Michelle in der Frauendusche begegnen würde. Letzteres wäre notwendig um die vorhandenen Gegebenheiten neutral klären zu können, wenn dies nicht der Fall wäre, könnte jeder nach Belieben in die Umkleiden des anderen Geschlechts. Erst durch das Klären des Umstandes kann in so einem Fall nach meiner Meinung ein tolerieren eintreten, da ich einen Mann in der falschen Umkleide weder akzeptieren noch tolerieren kann/möchte (da es sich um einen geschützten Raum handelt), aber es bei einer transsexuellen Person eben etwas anderes ist.

Der Vorwurf des glücklichen Umstands der jungen Transsexualität finde ich ungerechtfertigt. Ja, man konnte damals nicht das Geschlecht ohne Genitalangleichende Operation ändern, aber eine Hormontherapie wäre auch in frühen Jahren schon eine Option gewesen.
Hätte man das Gesicht vor der Familie und Bekannten oder auch im Job verloren? Sicherlich, aber das tritt auch heute noch auf und sollte im Allgemeinen kein Stoppschild für das eigene Wesen sein. Ich selbst hätte mich niemals für einen langen Leidensweg in einem männlichen Körper entschieden, wobei ich niemanden verurteile der dies getan hat. Allerdings muss man mit seinen Entscheidungen leben und leben lernen, das ist Teil des Prozesses genannt Leben.

Nun ein paar Worte bezüglich des „Alle Transmenschen“ welches oft von dir, Christin, verwendet wird. Im Prinzip stört es mich wenn du diese Zusammenfassung nutzt, da ich in vielen Teilen nicht dieselbe Meinung vertrete und du meistens auch nicht direkt für mich sprichst. Wir alle leiden an einer Hormonstörung, aber die wenigsten haben darüber hinaus viel miteinander gemein, wir denken verschieden und das ist auch gut so. Die Welt benötigt eine gewisse gedankliche Vielfalt, sonst ist kein Austausch möglich.

Ich bin mir als Autistin auch nicht sicher inwiefern die Notwendigkeit einer Botschafterin des Ertragens besteht, da ich selbst nie Anstoß an Intoleranz nehmen konnte. Das mag bedingt an der HRT innerhalb der ersten Jahre meiner Eigenständigkeit liegen, aber auch sonst fiel mir in meinem weiteren Umkreis kein einziger Fall von Intoleranz auf. Selbsthilfegruppen konnte ich in dieser Zeit nichts abgewinnen, und die meisten waren mir aufgrund meines Alters (22) sogar feindlich gesonnen. Einige der dortigen Personen wünschten mir einen Unfall mit Querschnittslähmung, und den Tod meiner Frau, da sie es unfair fanden mich glücklich zu sehen. Andere fanden in der zweigeteilten Operation kein Glück und beleidigten mich, da ich zu diesem Zeitpunkt auch ohne Operation glücklich war. Daraufhin habe ich diese SHG gemieden, da sich kein Mehrwert erkennen ließ. Im Prinzip kam die meiste Intoleranz in meinem Leben aus SHG oder unglücklichen älteren Transsexuellen. Trotzdem nehme ich diese Vorfälle nicht zum Anlass von allen SHG oder allen Transsexuellen zu sprechen.
Vielleicht hilft dieser Beitrag dabei das Gruppendenken welches in den Blogeinträgen doch oft zu Tage tritt zu beenden und daraus eine eher subjektive Schreibform zu generieren.

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